Qantara: Emanzipation im Rennanzug
by Andreas Baum
Palästinensische Frauen im Westjordanland sind immer mehr in der Lage, selbstbestimmt zu leben. Das zeigt auch das Beispiel der Speed Sisters – eine Gruppe von Frauen, die als Rennfahrerinnen Aufsehen erregen. Eine Reportage von Andreas Baum aus Ramallah
Nur Dahud liebt den Klang ihres Motors. Die 22-Jährige öffnet die Motorhaube ihres aufgemotzten BMWs und tritt im Leerlauf aufs Gaspedal – so hört man am besten, was der Wagen drauf hat. “Ein 320i, mit einem Dreilitermotor, der hat echt Power”, sagt sie. “Ich wollte ihn eigentlich umrüsten, auf Handschaltung statt Automatik – aber alle meine Freunde haben gesagt: Tu das nicht. So wie Du fährst, wird er dich umbringen.”
Nur Dahud ist eine der “Speed Sisters” von Ramallah. Acht Frauen – Muslimas und Christinnen im Alter von 19 bis 38 – haben sich zum ersten Rennfahrerinnenverband in der Geschichte Palästinas zusammengeschlossen. Sie sind die offizielle Mannschaft ihres Landes. Die Rennen finden auf der ganzen Westbank statt – in Bethlehem, Ramallah, Jenin –, aber auch in Jordanien und Ägypten. Und nicht selten schneiden sie besser ab, als ihre männlichen Kollegen.
Als Trainingsgelände dient ein Parkplatz am Stadtrand von Ramallah, direkt an der Mauer, mit der die Palästinensergebiete abgetrennt worden sind, in unmittelbarer Nähe eines israelischen Checkpoints. Für Palästinenser aus der Westbank ohne Sondergenehmigung ist hier die Welt zu Ende.


